Bernsteinstraße im Burgenland


Von Carnuntum führ die Bernsteinstraße in gerader Linie nach Bruck, wo die Leitha überbrückt wurde, dann in südlicher Richtung durch das „Brucker Lager“ beim Bäckerkreuz über die Senke des Leithagebirges nach Breitenbrunn.

Östlich von Bruck, auf den Haidäckern von Bruckneudorf befinden sich die Ruinen der wohl größten pannonischen Villa rustica, mit palastartigem Herrenhaus, Badegebäude, Nebengebäuden, Stallungen, Getreidespeicher, christl. Kultbau und Ummauerung. Dieser Gutshof war ursprünglich Sitz eines Princeps civitatis Boiorum, später kaiserliche Domäne und im Jahre 375 Aufenthaltsort von Valentinian I. und seiner Familie. Das zentrale Palastgebäude wurde um 350 großartig ausgebaut und mit Mosaiken ausgestattet. Die ins Landesmuseum Eisenstadt transferierten Mosaike haben ihre Vorbilder in den Mosaiken von Aquileia.

In Breitenbrunn liegt die römische Straßentrasse unter der modernen Hauptstraße und führt schnurgerade durch den Ort, am „Türkenturm“ (Museum) vorbei, nach Purbach, durchquert den mittelalterlichen Ortskern (im Rathaus historischer Schauraum mit Römerfunden) und verläuft, als dammartige Aufwölbung in Weingärten und Äckern noch gut zu erkennen, entlang des Neusiedler Sees östlich an Donnerskirchen vorbei bis Schützen am Gebirge, wo die Wulka überbrückt wurde. Von Schützen, über Oslip und St. Margarethen, leigt die Bernsteinstraße unter der mittelalterlichen und neuzeitlichen ungarischen Poststraße von Pressburg nach Ödenburg.

Im Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt befinden sich in der umfangreichen archäologischen Sammlung zahlreiche Objekte, die Handels- und Kulturkontakte entlang der Bernsteinstraße verdeutlichen: frühbronzezeitliche Halsketten aus mediterranen Muscheln, bronzezeitlicher Keramikimport aus Süd und Nord, ein Rasiermesser, Bernsteinschmuck, Sigillaten und Glasgefäße, die römischen Mosaike aus Bruckneudorf, Reliefdarstelllungen von römischen Reisewagen und ein Teil des römischen Meilensteines von der Bernsteinstrasse bei Oslip.


Südlich von Sopron führte die Bernsteinstraße am Ostfuß des Ödenburger Gebirges Richtung Neckenmarkt, dann weiter über Horitschon, Raiding (Liszt-Geburtshaus), Großwarasdorf und Nebersdorf nach Großmutschen und Frankenau, wo sie nach Überquerung der Rabnitz wieder heute ungarisches Gebiet erreichte.

Im Wald östlich von Großmutschen ist das am besten erhaltene Stück der römischen Bernsteinstraße als besonders lohnendes Ausflugsziel zu empfehlen. Wie die übrige Strecke im mittleren Burgenland ist die antike Straße hier als Wanderweg ausgebaut, beschildert und mit Informationstafeln versehen.

Bei Großmutschen steht u.a. die Kopie eines Meilensteines, der unter Kaiser Hadrian im Jahre 132 anläßlich von Straßenbauarbeiten an der Bernsteinstraße aufgestellt wurde. Das Original befindet sich heute in der Hauptschule Kohfidisch.

Am Südufer der Raab neben der antike Straßenstation und dem Kastell führte eine Vicinalstraße am rechten Raabufer gegen Westen, über St. Martin an der Raab (römisches Museum) nach Noricum.​


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