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Herbstgold 2022: Streichquartett

19.09.2022
  • Julien Mignot

    Julien Mignot

  • Esterhazy_Josef Siffert

    Esterhazy_Josef Siffert

Quatuor Ébène
Joseph Haydn: Streichquartett D-Dur op. 20 Nr. 4, Hob. III:34
Leoš Janáček: Streichquartett Nr. 1 „Kreutzersonate“
Johannes Brahms: Streichquartett Nr. 3 B-Dur op. 67

Gefährliche Leidenschaften toben in Leo Tolstois 1890 erschienener Novelle „Kreutzersonate“: Darin wird Beethovens berühmte Violinsonate mit diesem Beinamen zum symbolhaften Auslöser einer egoistisch-lieblosen Eifersucht, die einen Mann zum Mord an seiner vermeintlich untreuen Frau treibt. 1923 komponierte Leoš Janáček sein 1. Streichquartett, das gleichfalls den Beinamen „Kreutzersonate“ erhielt: Tolstois Moralpredigt gegen den Ehebruch interessierte Janáček dabei nicht; er ergriff stattdessen rückhaltlos die Partei der zum willenlosen Objekt männlicher Triebe degradierten Frau. Janáčeks glühende Musik bettet das famose französische Quatuor Ébène in ein verbindliches Umfeld ein. Joseph Haydns D-Dur-Werk aus den sogenannten „Sonnenquartetten“ ist eines seiner beliebtesten überhaupt, nicht nur durch das wunderbar widerborstige „Menuet alla Zingarese“. Und mit seinem B-Dur-Werk op. 67 ergänzte Johannes Brahms die beiden Streichquartette op. 51 von 1873 nach zwei Jahren Pause zur Trias – mit einer Musik nach Haydn’schem Vorbild, die „die außerordentlichsten Kühnheiten und Härten der Harmonik und Stimmführung geradezu genüsslich ausspielt und dabei den Ton des Spielerischen und den Gestus der lockeren scheinbar improvisatorischen Fügung mühelos durchhält“ (Ludwig Finscher).
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